Steht bei Deinem Kind der Wechsel von der Grundschule auf eine weiterführende Schule bevor, fragst Du Dich vielleicht, ob die Realschule in Baden-Württemberg die richtige Wahl ist.
Die Entscheidung ist nicht immer einfach. Denn die Realschule in Baden-Württemberg ist heute nicht mehr ausschließlich eine Schule, die zum Realschulabschluss führt. Dein Kind kann hier auch auf einem grundlegenden Niveau lernen und nach Klasse 9 den Hauptschulabschluss machen.
Vielleicht fragst Du Dich deshalb: Wenn an der Realschule auch auf Hauptschulniveau unterrichtet wird, warum gibt es dann überhaupt noch Hauptschulen? Was bedeuten G- und M-Niveau? Wann wird entschieden, auf welchem Niveau mein Kind lernt? Und was passiert, wenn die Leistungen in der Realschule nicht ausreichen?
Genau diese Fragen schauen wir uns ausführlich an.

Was ist die Realschule in Baden-Württemberg?
Die Realschule umfasst normalerweise die Klassen 5 bis 10. Ihr vorrangiges Ziel ist der Realschulabschluss nach Klasse 10. Gleichzeitig kann Dein Kind an einer Realschule bereits nach Klasse 9 den Hauptschulabschluss erwerben.
Nach dem Schulgesetz soll die Realschule vorrangig eine erweiterte allgemeine Bildung, daneben aber auch eine grundlegende Bildung vermitteln. Dabei sollen lebensnahe Aufgabenstellungen und die Anforderungen der Berufswelt eine wichtige Rolle spielen. Die Realschule soll sowohl auf eine Berufsausbildung als auch auf weiterführende schulische Bildungswege vorbereiten.
Das ist charakteristisch für die Realschule: Sie versucht, Theorie und Praxis miteinander zu verbinden.
Sie ist deshalb insbesondere für Kinder interessant, die durchaus theoretische Inhalte bewältigen können, gleichzeitig aber von einem strukturierten und lebensnahen Unterricht profitieren.
Welche Abschlüsse kann Dein Kind an der Realschule machen?
An der Realschule sind zwei unterschiedliche Abschlüsse möglich:
Hauptschulabschluss nach Klasse 9
oder
Realschulabschluss nach Klasse 10.
Der Realschulabschluss ist das vorrangige Bildungsziel der Realschule. Der Hauptschulabschluss bietet aber eine zusätzliche Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler, die das für den Realschulabschluss erforderliche Leistungsniveau nicht erreichen.
Das bedeutet gleichzeitig: Kommt Dein Kind auf die Realschule und hat dort später Schwierigkeiten, muss es deshalb nicht automatisch die Schule wechseln.
G-Niveau und M-Niveau – was bedeutet das?
Um die Realschule in Baden-Württemberg zu verstehen, musst Du zunächst zwei Begriffe kennen:
G-Niveau = grundlegendes Niveau
Das G-Niveau führt zum Hauptschulabschluss.
M-Niveau = mittleres Niveau
Das M-Niveau führt zum Realschulabschluss.
Das sind keine unterschiedlichen Schulfächer und auch nicht einfach unterschiedliche Notenskalen. Die Anforderungen orientieren sich an den unterschiedlichen Kompetenzstufen des Bildungsplans.
Ein Kind, das auf G-Niveau lernt, wird deshalb in seinen Leistungen nach den Anforderungen des grundlegenden Niveaus beurteilt. Ein Kind auf M-Niveau muss die Anforderungen des mittleren Niveaus erfüllen.
Wichtig ist außerdem: Die Zuordnung gilt grundsätzlich für alle Fächer. Dein Kind kann also beispielsweise nicht offiziell in Mathematik auf G-Niveau und gleichzeitig in Deutsch auf M-Niveau bewertet werden. Schriftliche, mündliche und fachpraktische Leistungen richten sich nach der Niveaustufe, der Dein Kind zugeordnet ist.
Warum gibt es an der Realschule überhaupt Hauptschulniveau?
Das ist wahrscheinlich eine der Fragen, die Eltern am häufigsten verwirrt.
Früher war die Zuordnung gedanklich relativ einfach:
Hauptschule → Hauptschulabschluss
Realschule → Realschulabschluss
Gymnasium → Abitur
So eindeutig ist diese Zuordnung heute nicht mehr.
Ein Kind kann eine Realschule besuchen und dort trotzdem auf G-Niveau lernen. Es wird dann auf den Hauptschulabschluss vorbereitet.
Der große Vorteil dieses Systems ist, dass Dein Kind bei vorübergehenden oder länger anhaltenden Leistungsproblemen nicht zwangsläufig die komplette Schule wechseln muss.
Stell Dir beispielsweise vor, Dein Kind startet an der Realschule. In Klasse 5 zeigt sich jedoch, dass ihm insbesondere Mathematik und Englisch deutlich schwerer fallen als erwartet.
Das bedeutet nicht automatisch:
Realschule verlassen → Hauptschule besuchen.
Stattdessen kann es ab Klasse 6 an seiner Realschule auf dem G-Niveau weiterlernen.
Dadurch können unter Umständen die Klasse, Freundschaften und das vertraute schulische Umfeld erhalten bleiben.
Verbessern sich die Leistungen wieder entsprechend, kann grundsätzlich auch ein Wechsel zurück auf das M-Niveau erfolgen.

Wenn die Realschule G-Niveau anbietet: Wozu gibt es dann noch Hauptschulen?
Hier musst Du zwischen Schulart und Leistungsniveau unterscheiden.
G-Niveau bedeutet zwar, dass Dein Kind auf dem Niveau lernt, das zum Hauptschulabschluss führt. Trotzdem wird aus der Realschule dadurch keine Hauptschule.
Werkreal- und Hauptschulen haben ein eigenes pädagogisches Profil. Dort stehen insbesondere die Basiskompetenzen in Lesen, Schreiben und Rechnen, individuelle Förderung, lebensnahe Aufgabenstellungen und eine konsequente Berufsorientierung im Mittelpunkt.
Auch die Realschule arbeitet praxis- und berufsorientiert. Sie ist aber vorrangig auf eine erweiterte allgemeine Bildung und den Realschulabschluss ausgerichtet und eröffnet gleichzeitig einen klaren Weg in weiterführende Bildungsgänge bis hin zum Abitur.
Deshalb können zwei Kinder auf demselben grundlegenden Niveau lernen und trotzdem unterschiedliche Schularten besuchen.
Für Dich als Mutter ist also nicht nur die Frage wichtig:
Welchen Abschluss kann mein Kind schaffen?
Mindestens genauso wichtig ist:
In welcher Schulart und in welchem Lernumfeld kann mein Kind seine Fähigkeiten am besten entwickeln?
Achtung: Nicht jede Realschule muss G-Niveau anbieten
Auch das solltest Du wissen, wenn Du verschiedene Realschulen miteinander vergleichst.
Realschulen können miteinander kooperieren. Dabei kann vereinbart werden, dass nicht jede beteiligte Realschule das grundlegende Niveau anbietet, sofern eine andere beteiligte Realschule mit G-Niveau für die Schülerinnen und Schüler zumutbar erreichbar ist.
Außerdem gibt es Realschulen in Verbünden mit Haupt- oder Werkrealschulen, bei denen die Realschule selbst ausschließlich die erweiterte allgemeine Bildung vermittelt und zum Realschulabschluss führt.
Wenn Dir die Möglichkeit des G-Niveaus wichtig ist, solltest Du deshalb bei der konkreten Realschule nachfragen, wie sie G- und M-Niveau organisiert und ob beide Bildungsgänge tatsächlich an diesem Standort angeboten werden.
Klasse 5: Die Phase der Orientierung
Eine wichtige Änderung betrifft die 5. Klasse.
Nach aktueller Rechtslage ist Klasse 5 die Phase der Orientierung. Das Schulgesetz formuliert ausdrücklich, dass Klasse 5 dazu dient festzustellen, welches Bildungsziel ein Kind anstreben soll.
In Klasse 5 werden zunächst alle Schülerinnen und Schüler auf M-Niveau unterrichtet und bewertet.
Das bedeutet: Auch ein Kind, das später auf G-Niveau weiterlernt, erhält in Klasse 5 zunächst Leistungsbewertungen nach den Anforderungen des mittleren Niveaus.
Erst am Ende der 5. Klasse wird anhand der Leistungen entschieden, ob Dein Kind ab Klasse 6 auf dem G-Niveau oder M-Niveau weiterlernt.
Warum findest Du manchmal noch „Klasse 5 und 6 sind die Orientierungsstufe“?
Wenn Du im Internet recherchierst, wirst Du wahrscheinlich auch auf Unterlagen stoßen, nach denen die Klassen 5 und 6 die Orientierungsstufe bilden.
Das liegt an einer Änderung des Systems.
Früher umfasste die Orientierungsphase tatsächlich die Klassen 5 und 6. Im Zuge der Bildungsreform wurde sie auf Klasse 5 verkürzt. Das Kultusministerium bestätigt ausdrücklich, dass die Entscheidung über G- oder M-Niveau früher am Ende der 6. Klasse und nun bereits am Ende der 5. Klasse getroffen wird.
Achte deshalb bei älteren Informationsbroschüren unbedingt auf das Erscheinungsdatum.
Was passiert ab Klasse 6?
Ab Klasse 6 kann Dein Kind entweder auf
G-Niveau – Ziel Hauptschulabschluss
oder
M-Niveau – Ziel Realschulabschluss
unterrichtet werden.
Wie die Schule diese Differenzierung konkret organisiert, kann unterschiedlich aussehen.
Eine Realschule kann Schülerinnen und Schüler beispielsweise in unterschiedlichen Klassen oder Lerngruppen unterrichten. Sie kann aber auch innerhalb einer Klasse mit unterschiedlichen Anforderungen und binnendifferenzierenden Unterrichtsformen arbeiten.
Das solltest Du Dir beim Tag der offenen Tür einer Realschule genauer erklären lassen. Gerade für ein Kind, das möglicherweise zwischen G- und M-Niveau liegt, kann es einen Unterschied machen, wie die jeweilige Schule diese Differenzierung praktisch umsetzt.
Kann Dein Kind zwischen G- und M-Niveau wechseln?
Ja.
Die Entscheidung nach Klasse 5 muss nicht für die gesamte Schulzeit gelten.
Entwickelt sich Dein Kind anders als erwartet, kann ein Wechsel der Niveaustufe möglich werden. Das Schulgesetz erlaubt einen Niveauwechsel grundsätzlich zum Ende eines Schulhalbjahres.
Damit kann das System auf die Entwicklung Deines Kindes reagieren.
Das funktioniert in beide Richtungen:
M → G
wenn die Leistungen für das mittlere Niveau nicht ausreichen,
und
G → M
wenn sich die Leistungen entsprechend verbessern und die Voraussetzungen erfüllt werden.
Gerade das kann ein Vorteil der Realschule sein: Eine schwierige Phase muss nicht sofort einen Schulartwechsel bedeuten.
Wie funktioniert die Leistungsbewertung?
Die Realschule ist ausdrücklich eine leistungsorientierte Schulart. Leistungen werden mit Noten bewertet.
Dabei musst Du zwischen Klasse 5 und den folgenden Klassen unterscheiden.
Leistungsbewertung in Klasse 5
In Klasse 5 werden alle Kinder auf M-Niveau bewertet.
Die Klassenarbeiten und sonstigen Leistungsfeststellungen orientieren sich also an den Anforderungen, die grundsätzlich zum Realschulabschluss führen.
Am Ende der Klasse 5 sind die Leistungen entscheidend dafür, auf welchem Niveau Dein Kind ab Klasse 6 weiterlernt.
Leistungsbewertung ab Klasse 6
Ab Klasse 6 richten sich die Anforderungen nach der zugewiesenen Niveaustufe.
Lernt Dein Kind auf G-Niveau, werden seine schriftlichen, mündlichen und fachpraktischen Leistungen anhand der Anforderungen des G-Niveaus bewertet.
Lernt Dein Kind auf M-Niveau, gelten entsprechend die Anforderungen des M-Niveaus.
Es geht dabei nicht darum, dieselbe Klassenarbeit auf G-Niveau einfach großzügiger zu benoten. Die Aufgaben und Anforderungen müssen sich an den Kompetenzen des jeweiligen Niveaus orientieren.
Und was passiert in Klasse 10?
Klasse 10 der Realschule ist auf den Realschulabschluss ausgerichtet.
Deshalb findet die Leistungsbewertung in Klasse 10 ausschließlich auf M-Niveau statt.
Welche Fächer hat Dein Kind an der Realschule?
Zum Pflichtbereich gehören unter anderem:
Deutsch, Mathematik, die erste Fremdsprache, Geschichte, Geographie, Gemeinschaftskunde, Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung, Informatik und Medienbildung, Biologie, Physik, Chemie, Musik, Bildende Kunst, Sport sowie Religion beziehungsweise Ethik.
Die erste Pflichtfremdsprache beginnt bereits in Klasse 5.
Physik, Gemeinschaftskunde und Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung beginnen nach der aktuellen Stundentafel in Klasse 7. Chemie beginnt in Klasse 7 oder 8.
Zusätzlich kommt an der Realschule dem Wahlpflichtbereich eine besondere Bedeutung zu.
Die Wahlpflichtfächer: Technik, AES oder Französisch
Dein Kind entscheidet sich für eines von drei Wahlpflichtfächern:
Technik
Alltagskultur, Ernährung, Soziales (AES)
oder
zweite Fremdsprache – in der Regel Französisch.
Mit dem Schuljahr 2026/27 gilt für neu eintretende Schülerinnen und Schüler eine wichtige Neuerung:
Das Wahlpflichtfach wird bereits in Klasse 5 gewählt und ab Klasse 6 unterrichtet.
Das gewählte Fach wird anschließend grundsätzlich bis zum Ende der Sekundarstufe I weitergeführt. In begründeten Ausnahmefällen kann mit Zustimmung der Schulleitung am Ende der 6. Klasse noch zu einem anderen Wahlpflichtfach gewechselt werden.
Die Wahl solltest Du deshalb gemeinsam mit Deinem Kind gut überlegen.
Technik
Technik kann gut zu einem Kind passen, das gerne konstruiert, ausprobiert und technische Zusammenhänge verstehen möchte.
Dabei geht es nicht nur um handwerkliches Arbeiten. Praktische Aufgaben werden mit technischen Kenntnissen, Planung und Problemlösung verbunden.
Alltagskultur, Ernährung, Soziales – AES
AES beschäftigt sich mit Themen aus dem Alltag und der Lebensgestaltung.
Dazu gehören beispielsweise Ernährung, Gesundheit, Konsum, Zusammenleben und gesellschaftliche beziehungsweise soziale Fragestellungen.
Das Fach verbindet ebenfalls theoretische Inhalte mit praktischen Anwendungen.
Französisch
Ist Dein Kind sprachlich interessiert, kann es Französisch als zweite Fremdsprache wählen.
Gerade wenn später ein weiterer schulischer Weg bis zum Abitur infrage kommt, kann eine zweite Fremdsprache interessant sein. Die Entscheidung sollte trotzdem nicht allein mit Blick auf ein mögliches Abitur fallen. Dein Kind wird das Wahlpflichtfach über mehrere Jahre besuchen und sollte deshalb auch Interesse und eine gewisse Begabung dafür mitbringen.
Das Wahlpflichtfach ist ein richtiges Prüfungsfach
Die Wahl zwischen Technik, AES und Französisch ist keineswegs nebensächlich.
Bei der Realschulabschlussprüfung gehört auch der Wahlpflichtbereich zur Prüfung.
In Technik und AES gibt es neben dem schriftlichen Teil eine praktische Prüfung. Bei Französisch als Wahlpflichtfremdsprache gehört eine Kommunikationsprüfung dazu.
Das ist ein weiterer Grund, die Entscheidung nicht nur danach zu treffen, welches Fach Freunde wählen.
Welche Abschlussprüfungen gibt es?
Hauptschulabschluss nach Klasse 9
Schülerinnen und Schüler auf G-Niveau können am Ende der Klasse 9 die Hauptschulabschlussprüfung ablegen.
Die schriftlichen Prüfungen umfassen Deutsch, Mathematik und Englisch. Hinzu kommt unter anderem eine Kommunikationsprüfung in Englisch; optionale mündliche Prüfungen sind in Deutsch und Mathematik möglich.
Realschulabschluss nach Klasse 10
Beim Realschulabschluss werden schriftliche Prüfungen in
Deutsch,
Mathematik,
der Pflichtfremdsprache
und dem Wahlpflichtfach
abgelegt.
Hinzu kommen je nach Fach Kommunikations- beziehungsweise praktische Prüfungen.
Was passiert nach einem Hauptschulabschluss an der Realschule?
Ein Hauptschulabschluss nach Klasse 9 bedeutet nicht, dass der Bildungsweg Deines Kindes beendet ist.
Es kann beispielsweise eine Berufsausbildung beginnen oder auf eine berufliche Schule wechseln.
Unter bestimmten Voraussetzungen kann Dein Kind sogar an der Realschule bleiben und anschließend noch den Realschulabschluss anstreben.
Für den direkten Wechsel nach dem Hauptschulabschluss in Klasse 10 der Realschule verlangt das Kultusministerium unter anderem in Deutsch, Mathematik und der Pflichtfremdsprache mindestens die Note gut sowie einen Durchschnitt von mindestens 3,0 in den für die Versetzung maßgebenden Fächern. Daneben besteht unter bestimmten Notenvoraussetzungen die Möglichkeit, Klasse 9 auf M-Niveau zu wiederholen.
Der Weg zum mittleren Bildungsabschluss bleibt damit grundsätzlich offen.
Was kann Dein Kind nach dem Realschulabschluss machen?
Mit dem Realschulabschluss stehen Deinem Kind viele Möglichkeiten offen.
Es kann beispielsweise eine duale Berufsausbildung beginnen oder eine weiterführende berufliche Schule besuchen.
Unter den jeweiligen Aufnahmevoraussetzungen kommen außerdem ein Berufliches Gymnasium, die gymnasiale Oberstufe eines allgemein bildenden Gymnasiums oder die Oberstufe einer Gemeinschaftsschule infrage. Auch Berufskollegs bieten weitere Möglichkeiten.
Die Entscheidung für eine Realschule bedeutet deshalb keineswegs eine Entscheidung gegen das Abitur.
Das ist für die Schulwahl nach Klasse 4 wichtig: Dein Kind muss mit zehn Jahren noch nicht wissen, ob es später studieren möchte.
Bereitet die Realschule auch auf das Abitur vor?
Ja – allerdings führt die Realschule selbst normalerweise nicht bis zum Abitur.
Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler sollen auf einen späteren Wechsel in eine gymnasiale Oberstufe vorbereitet werden. Ab Klasse 8 sollen Realschulen entsprechende Angebote machen, die sich auch an den Anforderungen des erweiterten E-Niveaus orientieren können. Die eigentliche Leistungsbewertung erfolgt an der Realschule jedoch weiterhin auf G- oder M-Niveau.
Realschulen können außerdem feste Kooperationen mit Beruflichen Gymnasien, allgemein bildenden Gymnasien oder Gemeinschaftsschulen mit gymnasialer Oberstufe eingehen.
Wenn Dein Kind möglicherweise später Abitur machen möchte, lohnt es sich deshalb, beim Tag der offenen Tür zu fragen:
Mit welchen weiterführenden Schulen kooperiert diese Realschule?
Berufsorientierung spielt eine große Rolle
Die Realschule soll Dein Kind nicht nur auf weitere Schulen vorbereiten.
Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Berufliche Orientierung.
Realschulen arbeiten dafür mit Betrieben und Unternehmen zusammen. Projekte und Praktika sollen Schülerinnen und Schüler mit der Arbeitswelt vertraut machen. Das Unterrichtsfach Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung unterstützt diesen Prozess zusätzlich.
Gerade für Jugendliche, die nach Klasse 10 eine Ausbildung beginnen möchten, kann diese Verbindung von Schule und Berufswelt ein Vorteil sein.
Individuelle Förderung an der Realschule
Dass Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen, ist im Konzept ausdrücklich vorgesehen.
Realschulen erhalten sogenannte Poolstunden, die für Differenzierung und individuelle Förderung eingesetzt werden können.
Nach der aktuellen Stundentafel stehen grundsätzlich 20 Poolstunden pro Zug zur Verfügung. Die Schulen können diese entsprechend ihrer Situation einsetzen.
Deshalb kann es zwischen zwei Realschulen durchaus Unterschiede geben.
Die Frage sollte bei der Schulwahl also nicht nur lauten:
„Ist Realschule grundsätzlich richtig für mein Kind?“
Sondern auch:
„Welche Realschule passt zu meinem Kind?“
Bilinguale Angebote und besondere Schwerpunkte
Einzelne Realschulen setzen zusätzliche Schwerpunkte, beispielsweise in den Bereichen Sprachen, MINT, Musik, Kunst oder Sport.
Darüber hinaus gibt es Realschulen mit bilingualen Zügen. Nach Angaben des Kultusministeriums bieten derzeit 85 Realschulen solche Züge an. Dabei werden zwei Sachfächer in englischer Sprache unterrichtet. Nach Klasse 8 kann dies mit einem Testat und nach Klasse 10 mit einem Zertifikat bescheinigt werden.
Wenn Dein Kind besondere Interessen oder Begabungen hat, lohnt es sich deshalb, nicht einfach nur die nächstgelegene Realschule anzusehen.
Realschule oder Hauptschule – was passt besser?
Dass beide Schularten zum Hauptschulabschluss führen können, bedeutet nicht, dass sie austauschbar sind.
Die Haupt- beziehungsweise Werkrealschule legt einen besonders starken Schwerpunkt auf Basiskompetenzen, individuelle Förderung, praktische Fähigkeiten und Berufsorientierung.
Die Realschule ist ebenfalls praxisbezogen, verlangt auf M-Niveau aber eine stärkere theoretische Durchdringung der Lerninhalte und ist vorrangig auf den Realschulabschluss ausgerichtet.
Wenn Dein Kind nach der Grundschule bereits große Schwierigkeiten mit den grundlegenden Anforderungen hat, solltest Du deshalb nicht allein deshalb die Realschule wählen, weil dort theoretisch auch G-Niveau angeboten wird.
Entscheidend sollte sein, in welchem schulischen Umfeld Dein Kind dauerhaft erfolgreich lernen kann.
Realschule oder Gymnasium?
Auch diese Entscheidung lässt sich nicht allein anhand der Grundschulnoten treffen.
Die Realschule kann gut zu einem Kind passen, das solide schulische Leistungen zeigt, einen strukturierten Unterricht benötigt und von der Verbindung aus theoretischem Lernen und praktischer Anwendung profitiert.
Das Gymnasium arbeitet dagegen durchgehend auf dem erweiterten E-Niveau und führt unmittelbar zur allgemeinen Hochschulreife.
Wenn Du zwischen Realschule und Gymnasium schwankst, solltest Du deshalb nicht nur fragen:
„Kann mein Kind das Gymnasium schaffen?“
Überlege auch:
Wie selbstständig lernt mein Kind? Wie geht es mit einem höheren Lerntempo und zunehmender Stofffülle um? Wie viel Unterstützung benötigt es momentan noch? Und in welchem Umfeld wird es vermutlich langfristig motiviert bleiben?
Ein späteres Abitur ist auch nach einem Realschulabschluss weiterhin möglich.
Wie erfolgt der Übergang von der Grundschule auf die Realschule?
In Baden-Württemberg begleitet das Neue Aufnahmeverfahren Klasse 4 – NAVi 4 BW die Entscheidung über die weiterführende Schule.
Dabei spielen unter anderem die pädagogische Gesamtwürdigung der Klassenkonferenz, die Kompetenzmessung Kompass 4, Beratungsgespräche und der Elternwille eine Rolle.
Die Rückmeldung unterscheidet zwischen den Niveaustufen G, M und E. M steht dabei für das mittlere Niveau, das zum Realschulabschluss führt.
Für Dich ist diese Rückmeldung eine wichtige Orientierung. Trotzdem lohnt es sich, zusätzlich genau auf Dein Kind zu schauen und verschiedene Schulen kennenzulernen.
Worauf solltest Du beim Tag der offenen Tür achten?
Wenn Du eine Realschule für Dein Kind auswählst, solltest Du nicht nur das Gebäude und die angebotenen AGs ansehen.
Frag konkret nach:
- Wie organisiert die Schule ab Klasse 6 das G- und M-Niveau?
- Werden Schülerinnen und Schüler dafür in getrennte Klassen eingeteilt oder innerhalb der Klasse differenziert?
- Wird an diesem Standort überhaupt G-Niveau angeboten?
- Wie häufig wechseln Schülerinnen und Schüler zwischen G und M?
- Wie unterstützt die Schule Kinder, die in Klasse 5 Schwierigkeiten bekommen?
- Wie werden die Poolstunden eingesetzt?
- Welche Wahlpflichtfächer werden tatsächlich angeboten?
- Welche Schwerpunkte und Profile gibt es?
- Gibt es einen bilingualen Zug?
- Wie sieht die Berufsorientierung aus?
- Mit welchen Betrieben arbeitet die Schule zusammen?
- Welche Praktika gibt es?
- Mit welchen Beruflichen Gymnasien oder anderen weiterführenden Schulen kooperiert die Realschule?
- Wie werden leistungsstarke Schülerinnen und Schüler gefördert?
- Welche Unterstützung gibt es bei Lernproblemen?
Gerade bei der Realschule können die Antworten auf diese Fragen wichtiger sein als ein besonders modernes Schulgebäude oder eine lange Liste von AGs.
Für welches Kind kann die Realschule gut passen?
Die Realschule kann besonders interessant sein, wenn Dein Kind gerne strukturiert und fachbezogen lernt, theoretische Zusammenhänge verstehen kann, aber gleichzeitig von praktischen und lebensnahen Anwendungen profitiert.
Sie kann auch sinnvoll sein, wenn Du Deinem Kind nach Klasse 4 noch Entwicklungsmöglichkeiten offenhalten möchtest.
Denn innerhalb der Realschule sind unterschiedliche Wege möglich:
Klasse 5 → Orientierung auf M-Niveau
danach beispielsweise:
Klasse 6–10 → M-Niveau → Realschulabschluss
oder
Klasse 6–9 → G-Niveau → Hauptschulabschluss
und unter bestimmten Voraussetzungen anschließend weitere Wege zum mittleren Bildungsabschluss.
Gleichzeitig kann Dein Kind nach einem erfolgreichen Realschulabschluss eine Ausbildung beginnen oder seinen schulischen Weg bis zum Abitur fortsetzen.
Fazit: Die Realschule hält Deinem Kind viele Wege offen
Die Realschule in Baden-Württemberg ist heute deutlich durchlässiger, als die klassische Vorstellung von „Hauptschule – Realschule – Gymnasium“ vermuten lässt.
Ihr vorrangiges Ziel bleibt der Realschulabschluss nach Klasse 10. Gleichzeitig bietet sie mit dem G-Niveau einen Weg zum Hauptschulabschluss nach Klasse 9.
Klasse 5 spielt dabei eine entscheidende Rolle. Sie dient als Phase der Orientierung und wird vollständig auf M-Niveau unterrichtet und bewertet. Erst danach entscheidet sich, ob Dein Kind ab Klasse 6 auf G- oder M-Niveau weiterlernt. Ein späterer Niveauwechsel bleibt grundsätzlich möglich.
Gerade diese Durchlässigkeit kann für manche Kinder ein großer Vorteil sein. Schwierigkeiten müssen nicht sofort einen Schulwechsel bedeuten, und gleichzeitig bleibt nach einem Realschulabschluss der Weg zu Berufsausbildung, Berufskolleg, Beruflichem Gymnasium und unter entsprechenden Voraussetzungen bis zum Abitur offen.
Bei Deiner Entscheidung solltest Du deshalb nicht nur überlegen, welchen Abschluss Dein Kind wahrscheinlich erreichen kann.
Schau auch darauf, wie Dein Kind lernt, wie selbstständig es bereits ist, wie es mit Leistungsdruck umgeht und welche konkrete Schule zu seiner Persönlichkeit passt.
Denn die richtige Schulart ist nicht automatisch die anspruchsvollste Schule, die ein Kind irgendwie schaffen könnte.
Die bessere Frage ist:
Auf welcher Schule kann mein Kind in den nächsten Jahren erfolgreich lernen und sich gut weiterentwickeln? Die Realschule schafft hierfür eine solide Grundlage.
Als Kritik bleibt anzufügen, dass die Schülerschaft an den Realschulen in Baden-Württemberg immer heterogener wird. Es hat zwar immer noch ein Großteil der Realschüler eine Bildungsempfehlung für die Realschule. Es nehmen aber die Schüler und Schülerinnen zu, die entweder eine Bildungsempfehlung für die Hauptschule oder für das Gymnasium haben. Somit ist ein großes Bildungsgefälle an den Realschulen vorhanden. Dadurch ergibt sich auch für die Lehrkräfte eine ganz eigene pädagogische Herausforderung.
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