Der Wechsel von der Grundschule aufs Gymnasium ist für viele Kinder ein großer Schritt. Nicht unbedingt deshalb, weil der Unterricht plötzlich „zu schwer“ ist. Vielmehr verändert sich sehr vieles gleichzeitig.
Eine neue Schule, neue Mitschülerinnen und Mitschüler, zahlreiche Fachlehrkräfte, ein anderer Stundenplan und deutlich mehr Verantwortung für die eigenen Schulsachen kommen auf einmal zusammen.
Dazu kommt: Ein Kind, das in der Grundschule vielleicht fast ohne großen Lernaufwand gute Noten geschrieben hat, stellt plötzlich fest, dass es sich auf Klassenarbeiten vorbereiten, Vokabeln regelmäßig wiederholen und seinen Schulalltag selbst organisieren muss.
Das kann zunächst verunsichern.
Aber nicht jedes Kind hat Schwierigkeiten mit der Umstellung von der Grundschule zum Gymnasium. Manche kommen sehr schnell mit den neuen Anforderungen zurecht, andere benötigen mehrere Monate.
In diesem Artikel zeige ich Dir, was sich beim Wechsel aufs Gymnasium tatsächlich verändert, wobei Dein Kind möglicherweise Unterstützung braucht und wie Du erkennst, ob es sich lediglich um normale Anfangsschwierigkeiten handelt.

Wie groß ist die Umstellung von der Grundschule zum Gymnasium?
Das lässt sich nicht für jedes Kind gleich beantworten.
Manche Kinder lieben die neue Schule vom ersten Tag an. Sie freuen sich über neue Fächer, verschiedene Lehrkräfte und darüber, endlich „zu den Großen“ zu gehören.
Andere Kinder vermissen ihre Grundschulklasse, fühlen sich von den vielen neuen Eindrücken überfordert oder sind enttäuscht, weil ihre Noten plötzlich schlechter ausfallen.
Die größten Veränderungen sind meistens:
- eine völlig neue Klassengemeinschaft
- viele verschiedene Fachlehrkräfte
- mehr Fächer
- ein höheres Lerntempo
- mehr Stoff in kürzerer Zeit
- mehr Hausaufgaben und zusätzliche Lernzeiten
- regelmäßiges Lernen von Vokabeln
- mehr Eigenverantwortung
- selbstständigeres Arbeiten
- eine andere Leistungssituation als in der Grundschule
Dabei solltest Du eines nicht vergessen:
Dein Kind ist zu Beginn der 5. Klasse immer noch erst ungefähr zehn oder elf Jahre alt.
Nur weil es jetzt ein Gymnasium besucht, kann es nicht automatisch seinen kompletten Schulalltag selbstständig organisieren.
Selbstständigkeit entwickelt sich Schritt für Schritt.
Eine neue Klassengemeinschaft
Eine der ersten großen Veränderungen betrifft gar nicht den Unterricht, sondern die Menschen um Dein Kind herum.
In der Grundschule kannte Dein Kind seine Klasse möglicherweise seit vier Jahren. Es wusste, neben wem es gerne sitzt und mit wem es in der Pause zusammen ist.
Am Gymnasium beginnt vieles wieder bei null.
Vielleicht wechseln ein oder zwei Freunde mit auf dieselbe Schule. Häufig kommen die Schülerinnen und Schüler einer fünften Klasse aber aus vielen verschiedenen Grundschulen zusammen.
Jetzt muss sich eine neue Klassengemeinschaft bilden.
Dein Kind muss seinen Platz finden, Freundschaften aufbauen und herausfinden, mit wem es gut zurechtkommt.
Das kostet Energie.
Deshalb solltest Du Dich nicht wundern, wenn Dein Kind in den ersten Wochen nach der Schule ungewöhnlich müde ist oder viel erzählt – oder im Gegenteil gar nichts erzählen möchte.
Es verarbeitet gerade sehr viele neue Eindrücke.
Freundschaften brauchen Zeit
Gerade Eltern machen sich schnell Sorgen, wenn das Kind nach zwei Wochen noch keine neue beste Freundin oder keinen festen Freundeskreis gefunden hat.
Versuche, dem Ganzen etwas Zeit zu geben.
Eine neue Klassengemeinschaft entsteht nicht innerhalb weniger Tage. Manche Kinder finden sofort Anschluss, andere beobachten zunächst und brauchen einige Wochen.
Wichtig ist weniger, ob Dein Kind bereits einen „besten Freund“ gefunden hat, sondern ob es sich grundsätzlich in der Klasse wohlfühlt und zunehmend Kontakte entstehen.
Plötzlich gehört Dein Kind vielleicht nicht mehr zu den Besten
Auch das kann eine große Umstellung sein.
Viele Kinder, die aufs Gymnasium wechseln, waren in ihrer Grundschulklasse gute Schülerinnen und Schüler.
Vielleicht waren Einsen und Zweien selbstverständlich. Vielleicht musste Dein Kind dafür bisher nicht einmal besonders viel lernen.
Am Gymnasium trifft es nun auf viele andere Kinder, denen das Lernen ebenfalls leichtfällt.
Plötzlich gehört Dein Kind möglicherweise nicht mehr zu den leistungsstärksten Schülerinnen oder Schülern der Klasse, sondern liegt im Mittelfeld.
Das kann zunächst am Selbstbewusstsein kratzen.
Aus einer 2 wird vielleicht eine 3. Eine Arbeit fällt schlechter aus als erwartet. Und ein anderes Kind scheint trotzdem immer alles zu können.
Gerade dann ist Deine Reaktion als Mutter oder Vater wichtig.
Eine einzelne schlechtere Note sagt noch wenig darüber aus, ob Dein Kind am Gymnasium richtig ist.
Dein Kind muss sich zunächst daran gewöhnen, wie am Gymnasium gelernt, gearbeitet und geprüft wird.
Für jedes Fach eine andere Lehrkraft
Auch das Fachlehrerprinzip ist für viele Fünftklässler ungewohnt.
In der Grundschule wurde ein großer Teil des Unterrichts von der Klassenlehrkraft übernommen. Vielleicht gab es zusätzlich Fachlehrkräfte für Religion, Sport, Musik oder Werken.
Am Gymnasium sieht das völlig anders aus.
Innerhalb eines Schultages wechseln möglicherweise vier, fünf oder sogar noch mehr Lehrkräfte.
Und jede Lehrkraft arbeitet etwas anders.
Die eine möchte Hausaufgaben in einer bestimmten Form. Die nächste erwartet einen bestimmten Hefteintrag. Ein Lehrer legt großen Wert darauf, dass Materialien sofort auf dem Tisch liegen, während eine andere Lehrkraft ganz anders organisiert ist.
Das müssen Kinder erst einmal verstehen.
Für Erwachsene klingt das vielleicht banal.
Für ein zehnjähriges Kind ist es eine enorme Organisationsleistung.
In der 5.Klasse am Gymnasium hatte meine Tochter 11 unterschiedliche Lehrer. Sogar 2 verschiedene Lehrer für das Fach Sport oder auch für Deutsch.
Das Lerntempo wird schneller
Einer der größten Unterschiede zwischen Grundschule und Gymnasium ist häufig das Lerntempo.
Neuer Stoff wird behandelt, geübt und anschließend geht es weiter.
Ein Kind, das etwas noch nicht ganz verstanden hat, sollte deshalb möglichst früh nachfragen oder die Lücke zu Hause noch einmal anschauen.
Denn gerade in Fächern wie Mathematik oder einer Fremdsprache baut neuer Lernstoff häufig auf dem vorherigen Stoff auf.
Das bedeutet aber nicht, dass Eltern nun jeden Nachmittag Nachhilfeunterricht geben müssen.
Viel wichtiger ist es, Deinem Kind beizubringen:
„Wenn ich etwas nicht verstehe, kümmere ich mich darum.“
Das kann bedeuten:
- im Unterricht nachzufragen
- eine Mitschülerin oder einen Mitschüler zu fragen
- im Schulbuch nachzulesen
- die Aufgabe noch einmal in Ruhe anzusehen
- eine Lehrkraft anzusprechen
- gemeinsam mit Dir herauszufinden, wo genau das Verständnisproblem liegt
Diese Fähigkeit wird im Laufe der Schulzeit immer wichtiger.
Hausaufgaben machen reicht nicht mehr
Dieser Punkt überrascht manche Kinder – und auch manche Eltern.
In der Grundschule bestand Lernen häufig darin, die Hausaufgaben zu erledigen und vor einer Lernzielkontrolle noch einmal etwas zu wiederholen.
Am Gymnasium reicht das auf Dauer oft nicht mehr.
Zusätzlich zu den eigentlichen Hausaufgaben müssen beispielsweise:
- Vokabeln gelernt werden
- Hefteinträge wiederholt werden
- Grammatikregeln sitzen
- Formeln oder Regeln gelernt werden
- Klassenarbeiten vorbereitet werden
- Referate vorbereitet werden
- Stoff aus vergangenen Stunden wiederholt werden
Das eigentliche Lernen findet also nicht nur dann statt, wenn eine Lehrkraft ausdrücklich sagt:
„Lernt das bis morgen.“
Ab jetzt muss für jedes Fach gelernt werden. Genau diese Erkenntnis ist für viele Kinder eine der größten Umstellungen in der 5. Klasse. Während der Grundschulzeit wurden die Hausaufgaben vielleicht noch mal eben schnell erledigt und dann ging es gleich zum Spielen.
Jetzt im Gymnasium braucht es allein für die Hausaufgaben schon mehr Zeit. Der Stoff ist deutlich anspruchsvoller. Es kann auch öfter mal vorkommen, dass Dein Kind gar nicht weiß was es machen soll.
In einer solchen Situation kannst Du Dein Kind anleiten, wie es zum Beispiel die Aufgabenstellung lesen soll und wie es am besten an eine Aufgabe herangeht. Denn die Aufgaben sind im Gymnasium viel schwieriger gestellt als noch in der Grundschule.
Lernen lernen wird jetzt wichtiger
Ein Kind kann sehr intelligent sein und trotzdem zunächst Schwierigkeiten am Gymnasium haben.
Denn gute Leistungen hängen nicht nur davon ab, wie schnell ein Kind etwas versteht.
Es muss auch lernen, wie man lernt.
Zum Beispiel:
Wie lerne ich 20 Englischvokabeln so, dass ich sie in drei Tagen noch weiß?
Wann fange ich mit der Vorbereitung auf eine Klassenarbeit an?
Was mache ich, wenn ich bei den Hausaufgaben eine Aufgabe nicht verstehe?
Wie finde ich heraus, was für die nächste Schulaufgabe wichtig ist?
Wie teile ich eine größere Aufgabe auf mehrere Tage auf?
Das sind keine Fähigkeiten, die ein Kind automatisch mit dem Übertrittszeugnis bekommt.
Sie müssen entwickelt und geübt werden.
Deshalb halte ich es für völlig normal, dass Eltern in der 5. Klasse noch unterstützen.
Die größte Herausforderung ist oft die Selbstorganisation
Vielleicht ist gar nicht der schwierigere Unterricht die größte Veränderung.
Vielleicht ist es die Organisation.
Ein Fünftklässler muss plötzlich an unglaublich viele Dinge denken:
„Morgen brauche ich Sportsachen.“
„Für Englisch muss ich noch Vokabeln lernen.“
„Den Zirkel brauche ich am Donnerstag.“
„Die Mathearbeit ist nächste Woche.“
„Das Arbeitsblatt muss in den roten Ordner.“
„Für Biologie soll ich etwas mitbringen.“
Und natürlich soll gleichzeitig auch noch der Schulranzen vollständig gepackt sein.
Mit zehn oder elf Jahren klappt das bei manchen Kindern erstaunlich gut.
Bei anderen überhaupt nicht.
Beides ist normal.
Unterstütze bei der Organisation – aber übernimm sie nicht komplett
Du kannst Deinem Kind beispielsweise helfen, eine feste Routine aufzubauen.
Nachmittags:
- Hausaufgaben anschauen.
- Prüfen, was für den nächsten Tag gelernt werden muss.
- Termine für Klassenarbeiten ansehen.
- Größere Aufgaben auf mehrere Tage verteilen.
Abends:
- Stundenplan für morgen anschauen.
- Hefte und Bücher einpacken.
- Sportsachen oder andere Materialien bereitlegen.
- Federmäppchen kurz kontrollieren.
Am Anfang kannst Du diese Schritte gemeinsam mit Deinem Kind erledigen.
Später ziehst Du Dich nach und nach zurück.
Das Ziel sollte nicht sein:
„Mein Kind muss ab der 5. Klasse alles allein können.“
Sondern:
„Mein Kind soll lernen, es irgendwann allein zu können.“
Das ist ein großer Unterschied.
Schlechtere Noten am Gymnasium: Muss ich mir Sorgen machen?
Eine der größten Sorgen vieler Eltern betrifft die Noten.
Das Kind hatte in der Grundschule fast nur Einsen und Zweien – und bringt plötzlich eine 3 oder sogar eine 5 nach Hause.
Natürlich darfst Du genauer hinschauen.
Aber eine einzelne schlechtere Note ist noch kein Grund, die Schulwahl grundsätzlich infrage zu stellen.
Die meisten Fünftklässler am Gymnasium haben einen Leistungseinbruch in der ersten Zeit im Gymnasium. Die gute Nachricht gleich vorweg: Zum Glück ist diese Phase meist nach den Weihnachtsferien wieder vorbei.
Wenn Dein Kind mit einer Note 4 oder auch 5 nach Hause kommt, dann solltest Du nicht in Panik verfallen sondern Ruhe ausstrahlen. Denn Kinder empfinden ihren Leistungseinbruch als schlimm.
Zunächst muss Dein Kind herausfinden:
- Wie werden Klassenarbeiten am Gymnasium gestellt?
- Wie ausführlich muss ich antworten?
- Wie viel muss ich vorher lernen?
- Welche Fehler kosten Punkte?
- Wie bereite ich mich sinnvoll vor?
Manchmal liegt eine schlechtere Note gar nicht daran, dass ein Kind den Stoff grundsätzlich nicht versteht.
Vielleicht hat es zu spät gelernt.
Vielleicht hat es eine Aufgabenstellung falsch gelesen.
Vielleicht wusste es noch nicht, wie gründlich es lernen muss.
Oder vielleicht war es einfach nervös.
Deshalb würde ich bei den ersten Klassenarbeiten weniger auf die einzelne Zahl schauen und stattdessen fragen:
Woran hat es gelegen?
Aus dieser Antwort lässt sich viel mehr ableiten als aus der Note selbst.
Eltern sollten entspannt mit einem Leistungseinbruch umgehen und möglichst wenig Kritik üben. Mach Dir bewusst, dass Dein Kind noch die nächsten 8 oder 9 Jahre durchhalten muss. Wenn Du jetzt zu viel Druck ausübst, dann verliert Dein Kind vielleicht schon am Anfang die Lust am Lernen.
Meist kommt diese Phase im Herbst während der Klasse 5. Die Schonfrist ist vorbei und der volle Lehrplaninhalt wird unterrichtet. Und der ist im Gymnasium nicht ohne.

Vermeide zu viel Druck in der 5. Klasse
Wenn ein Kind bisher sehr gute Noten hatte, können schlechtere Leistungen für die ganze Familie ungewohnt sein.
Versuche trotzdem, Ruhe zu bewahren.
Sätze wie:
„In der Grundschule konntest Du das doch auch.“
„Wenn das so weitergeht, musst Du vom Gymnasium runter.“
oder
„Du musst Dich einfach mehr anstrengen.“
helfen einem verunsicherten Kind meistens wenig.
Viel sinnvoller ist es herauszufinden, wo genau das Problem liegt.
Versteht Dein Kind den Stoff nicht?
Hat es Schwierigkeiten mit der Organisation?
Beginnt es zu spät mit dem Lernen?
Kann es sich schlecht konzentrieren?
Oder braucht es einfach noch etwas Zeit, um an der neuen Schule anzukommen?
Je genauer Du das Problem kennst, desto gezielter kannst Du helfen.
Dein Kind ist nach der Schule plötzlich sehr müde
Auch das kann in den ersten Wochen völlig normal sein.
Überlege einmal, was Dein Kind gerade täglich verarbeitet.
Es muss:
- den Weg durch ein neues Schulgebäude finden
- sich zahlreiche Namen merken
- unterschiedliche Lehrkräfte kennenlernen
- neue Regeln beachten
- seinen Stundenplan verstehen
- neue Freundschaften aufbauen
- anspruchsvolleren Unterricht bewältigen
- mehr Materialien organisieren
Das ist anstrengend.
Wenn Dein Kind nachmittags erst einmal eine Pause braucht, solltest Du ihm diese möglichst zugestehen.
Nicht jedes Kind kann nach dem Mittagessen sofort zwei Stunden konzentriert Hausaufgaben erledigen.
Manchen hilft Bewegung, anderen eine halbe Stunde Ruhe oder etwas zu essen.
Ihr müsst gemeinsam herausfinden, welcher Rhythmus für Dein Kind funktioniert.
Wie viel sollten Eltern in der 5. Klasse helfen?
Hier gibt es meiner Meinung nach zwei Extreme.
Auf der einen Seite stehen Eltern, die jeden Hefteintrag kontrollieren, jede Vokabel abfragen und jede Hausaufgabe überprüfen.
Auf der anderen Seite steht die Vorstellung:
„Du bist jetzt auf dem Gymnasium. Jetzt musst Du das alleine schaffen.“
Ich halte beides nicht für ideal.
Ein zehn- oder elfjähriges Kind darf noch Unterstützung bekommen.
Entscheidend ist die Art der Unterstützung.
Hilfreich ist:
- gemeinsam einen Wochenplan erstellen
- zeigen, wie man für eine Klassenarbeit lernt
- bei Verständnisproblemen helfen, den richtigen Lösungsweg zu finden
- Vokabeln gelegentlich abfragen
- anfangs gemeinsam den Schulranzen kontrollieren
- beim Strukturieren größerer Aufgaben helfen
- zuhören, wenn Dein Kind von Problemen erzählt
Weniger hilfreich ist:
- Hausaufgaben für Dein Kind erledigen
- ständig jede Aufgabe kontrollieren
- Lernpläne vollständig für Dein Kind erstellen
- sofort Nachhilfe organisieren, sobald eine Arbeit schlecht ausfällt
- jeden Nachmittag ausschließlich um Schule kreisen lassen
Unterstützung sollte Deinem Kind langfristig mehr Selbstständigkeit ermöglichen – nicht weniger.
Zuhören ist manchmal die wichtigste Unterstützung
Nicht jedes Problem ist ein Lernproblem.
Vielleicht versteht Dein Kind Mathematik eigentlich gut, sitzt aber neben einem Mitschüler, der es ständig ablenkt.
Vielleicht bereitet ihm die neue Englischlehrerin Angst.
Vielleicht fühlt es sich in der Klasse noch nicht richtig wohl.
Vielleicht ist der lange Schulweg anstrengend.
Oder Dein Kind vergleicht sich permanent mit einer Mitschülerin, die scheinbar überall eine Eins schreibt.
Deshalb ist es wichtig, dass Du Deinem Kind zuhörst. Lass es die Dinge aus seiner Sicht erklären.
Nicht jedes Problem muss sofort gelöst werden.
Manchmal hilft es schon, wenn ein Kind erzählen kann: „Heute war alles doof.“ ohne sofort zehn Verbesserungsvorschläge zu bekommen.
Die ersten Wochen: Was Eltern konkret tun können
Gerade am Anfang würde ich den Schulalltag noch etwas enger begleiten.
In den ersten zwei bis vier Wochen
Jetzt geht es zunächst darum, anzukommen.
Achte darauf, dass Dein Kind:
- den Stundenplan versteht
- alle Materialien findet
- weiß, wie Hausaufgaben notiert werden
- den Schulweg sicher bewältigt
- erste Kontakte in der Klasse knüpft
- weiß, wen es bei Problemen ansprechen kann
Die Noten würde ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht in den Mittelpunkt stellen.
Nach den ersten Klassenarbeiten
Jetzt wird sichtbar, wie gut Dein Kind bereits mit den Anforderungen zurechtkommt.
Schaut Euch schlechte Arbeiten gemeinsam an.
Aber nicht nur mit der Frage:
„Warum ist das eine 4?“
Sondern:
„Was können wir daraus für die nächste Arbeit lernen?“
Vielleicht muss früher mit dem Lernen begonnen werden. Vielleicht war die Aufgabenstellung das Problem. Vielleicht fehlen Grundlagen.
Nach einigen Monaten
Jetzt sollte langsam mehr Routine entstehen.
Dein Kind kennt die Lehrkräfte, hat Freundschaften aufgebaut und weiß ungefähr, was in den einzelnen Fächern erwartet wird.
Auch die Organisation sollte nach und nach besser funktionieren.
Das bedeutet nicht, dass alles perfekt laufen muss.
Aber Du solltest eine Entwicklung erkennen können.
Was ist noch normale Umstellung – und wann sollte ich genauer hinschauen?
Ein schwieriger Start bedeutet noch nicht automatisch, dass das Gymnasium die falsche Schulart ist.
Normal können vorübergehend beispielsweise sein:
- Müdigkeit
- Unsicherheit
- einzelne schlechtere Noten
- vergessene Materialien
- Probleme mit der Organisation
- Heimweh nach der Grundschule
- Aufregung vor Klassenarbeiten
- Schwierigkeiten, Freunde zu finden
Entscheidend ist, ob es mit der Zeit besser wird.
Genauer hinschauen würde ich, wenn Dein Kind über einen längeren Zeitraum:
- morgens regelmäßig nicht mehr in die Schule möchte
- häufig über Bauch- oder Kopfschmerzen vor der Schule klagt
- dauerhaft sehr lange für Hausaufgaben und Lernen benötigt
- trotz regelmäßigen Lernens den Stoff in mehreren Hauptfächern nicht versteht
- ständig unter Leistungsdruck steht
- kaum noch Freizeit hat
- sein Selbstvertrauen deutlich verliert
- sich aus Freundschaften und Freizeitaktivitäten zurückzieht
- dauerhaft traurig oder stark angespannt wirkt
Dann solltest Du das Gespräch mit Deinem Kind und anschließend gegebenenfalls mit den Lehrkräften oder der Beratungslehrkraft suchen.
Bedeutet Unterstützung automatisch Nachhilfe?
Nein.
Bei einer schlechten Note würde ich nicht sofort nach einem Nachhilfelehrer suchen.
Zunächst sollte geklärt werden, warum die Leistung schlecht ausgefallen ist.
Fehlt tatsächlich Fachwissen?
Oder hat Dein Kind einfach noch keine passende Lernstrategie?
Ein Kind, das Englischvokabeln erst am Abend vor dem Test lernt, braucht möglicherweise keine Nachhilfe. Es braucht eine bessere Lernroutine.
Ein Kind, das in Mathematik die Grundlagen nicht verstanden hat und deshalb dem neuen Stoff nicht mehr folgen kann, benötigt dagegen vielleicht gezielte fachliche Unterstützung.
Deshalb:
Erst die Ursache finden – dann entscheiden, welche Hilfe sinnvoll ist.
Übungsmaterial kann unterstützen – aber bitte gezielt
Zusätzliches Übungsmaterial kann gerade in Mathematik, Deutsch oder Englisch hilfreich sein.
Aber auch hier gilt:
Mehr Aufgaben sind nicht automatisch besser.
Wenn Dein Kind ohnehin jeden Nachmittag lange an den Hausaufgaben sitzt, würde ich nicht zusätzlich jeden Tag Übungsblätter bearbeiten lassen.
Sinnvoller sind kurze, gezielte Übungen zu einem konkreten Problem.
Zum Beispiel:
„Bruchrechnen klappt noch nicht.“
„Bei englischen Vokabeln fehlen bestimmte Wörter.“
„Bei Textaufgaben versteht mein Kind die Fragestellung nicht.“
Dann können zehn oder fünfzehn Minuten gezieltes Üben wesentlich hilfreicher sein als ein komplettes zusätzliches Arbeitsheft.
Was Eltern häufig unterschätzen: Freizeit bleibt wichtig
Gerade wenn die Anforderungen steigen, entsteht schnell der Gedanke:
Dann muss eben mehr gelernt werden.
Aber Kinder brauchen auch nach dem Wechsel aufs Gymnasium freie Zeit.
Sport, Freunde, Musik, Spielen, Lesen oder einfach einmal nichts tun sind kein unnötiger Luxus.
Ein Kind sollte nicht das Gefühl bekommen, dass ab der 5. Klasse das gesamte Leben nur noch aus Schule besteht.
Deshalb würde ich bei Schwierigkeiten nicht automatisch immer mehr Lernzeit einplanen.
Manchmal ist die bessere Lösung, effizienter und strukturierter zu lernen.
Was tun, wenn das Gymnasium vielleicht doch nicht passt?
Diese Frage beschäftigt viele Eltern – wird aber häufig viel zu spät ausgesprochen.
Vielleicht hast Du lange auf den Übertritt hingearbeitet. Vielleicht war Dein Kind stolz auf seine Gymnasialempfehlung. Vielleicht gehen viele Freunde ebenfalls aufs Gymnasium.
Dann fühlt sich allein der Gedanke an eine andere Schulart plötzlich wie ein Rückschritt an.
Das sollte er nicht.
Eine Schulentscheidung ist keine Entscheidung für das gesamte Leben.
Wenn sich nach einer angemessenen Eingewöhnungszeit zeigt, dass Dein Kind dauerhaft überfordert und unglücklich ist, darfst Du die Situation neu bewerten.
Dabei würde ich nicht allein auf die Noten schauen.
Die wichtigere Frage lautet:
Wie geht es meinem Kind mit dieser Schule und diesen Anforderungen?
Ein Kind kann mittelmäßige Noten haben und trotzdem sehr gut auf das Gymnasium passen.
Umgekehrt kann ein Kind ordentliche Noten schreiben und dabei unter einem enormen inneren Druck stehen.
Deshalb ist für mich bei der Schulwahl immer die Passung zum Kind entscheidend – und nicht allein die Frage, welcher Schulname später auf dem Zeugnis steht.
Vielleicht passt eine andere Schule besser zu Deinem Kind
Wenn Du Dich gerade nach Alternativen umsiehst, kannst Du Dir hier ausgewählte Privatschulen und Internate genauer ansehen. In den ausführlichen Schulprofilen erfährst Du, was die jeweilige Schule auszeichnet und für welche Kinder ihr Konzept besonders gut passt.
Mein wichtigster Rat für die Umstellung aufs Gymnasium
Gib Deinem Kind Zeit.
Der Wechsel von der Grundschule zum Gymnasium ist nicht nur ein Schulwechsel.
Dein Kind muss gleichzeitig lernen, sich in einer neuen Gruppe zurechtzufinden, mit verschiedenen Lehrkräften umzugehen, seinen Alltag zu organisieren und anders zu lernen als bisher.
All das kann nicht innerhalb der ersten zwei Schulwochen perfekt funktionieren.
Begleite Dein Kind deshalb in der ersten Zeit noch.
Hilf ihm dabei, Strukturen aufzubauen. Höre zu. Bleib bei einer schlechten Note möglichst ruhig. Und zieh Dich dort zurück, wo Du merkst, dass Dein Kind etwas bereits alleine schafft.
Das Ziel ist nicht, dass Dein Kind ab dem ersten Tag selbstständig ist.
Das Ziel ist, dass es mit der Zeit selbstständig wird.
Und wenn Du irgendwann feststellst, dass nicht nur die Umstellung schwierig ist, sondern die Schule oder Schulart tatsächlich nicht zu Deinem Kind passt, dann darfst Du auch diese Entscheidung noch einmal überdenken.
Denn eine Schule sollte zu einem Kind passen – nicht das Kind um jeden Preis zur Schule.
Empfehlungen für Übungsmaterial
Im Anschluss möchte ich noch einige Empfehlungen für Übungsmaterial für die Klasse 5 und 6 geben. So kannst Du Dein Kind unterstützen. Denn gerade in der Anfangszeit im Gymnasium gibt es oft Schwierigkeiten und das Kind tut sich schwer mit dem Unterrichtsstoff. Deshalb ist es meiner Meinung nach sinnvoll seinem Kind mit kleineren Übungen ein wenig zu helfen.
Natürlich gibt es auch Materialien im Internet, die Du einfach ausdrucken kannst. Wenn Du Dir allerdings die lange Suche im Internet ersparen willst, dann ist es einfacher ein Buch zu kaufen. Damit hast Du immer schnell einige Aufgaben griffbereit.
Anzeige
Wie ergeht es Deinem Kind in der 5ten Klasse? Schreib doch einen Kommentar und teile Deine Erfahrungen mit den anderen Lesern.
Diese Artikel könnten Dich auch interessieren
Private Gymnasien in Deutschland
Letzte Aktualisierung am 17.09.2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API















Schule in Deutschland meint
Liebe Susanne
man leidet als Eltern, wenn sich das eigene Kind schwer tut in der Schule. Meine Tochter hat sich in der 5. Klasse mit der ganzen Umstellung auch schwer getan. Die Noten haben sich bei ihr allerdings dann in der zweiten Hälfte wieder verbessert. Wie die Situation bei Deinem Kind ist und was das Beste ist, das kannst Du als Mutter am besten einschätzen. Manche Kinder brauchen einfach noch ein wenig mehr Zeit. Für andere Kinder ist es besser sie auf die Realschule zu nehmen. Denn eine ständige Qual ist für die Seele auch nicht gut. Und mit der Fachoberschule in Bayern besteht auch für Realschüler die Möglichkeit ihr Abitur zu machen. Meine Schwester ist diesen Weg gegangen – und der funktioniert auch sehr gut.
Das ist eine schwierige Zeit und eine schwierige Entscheidung für Euch. Meiner Tochter hat zum Beispiel das ausgesuchte Gymnasium überhaupt nicht gefallen. Sie hat sich jeden Tag gequält, obwohl sie dort unbedingt hin wollte. Da habe ich am Ende der 5. Klasse die Entscheidung getroffen und sie umgemeldet. Auf das andere Gymnasium in unserem Ort. Die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können. Aber das weiß man leider immer erst hinterher.
Deshalb weiß ich, in welch schwieriger Situation Du Dich gerade befindest. Ich wünsche Euch alles Gute und viel Erfolg bei Eurer Entscheidung. Wie auch immer sie ausfallen wird.
Hoffentlich bekommst Du noch einige Antworten von anderen Müttern, die Dir ein wenig weiterhelfen.
Alles Gute
Martina
Susanne meint
Hallo,
bei uns ist es so das nach den Weihnachtsferien es bergab geht in den Hauptfächern. Man macht sich da Sorgen, ob es so noch normal ist. Kennt ihr das auch?
Valerie meint
Danke für den Artikel. Die Umstellung ist für unseres Kind als auch für uns Eltern eine Herausforderung.
Stella Bergen meint
Meine Nichte kam im September auf das Gymnasium und sucht neue Lernmethoden und Tipps zum Auswendiglernen. Die obigen Gesichtspunkte sind besonders für Eltern sehr hilfreich, vielen Dank.
Ich hoffe, dass sie meiner Schwester weiterhelfen.