Wenn Dein Kind in Bayern zur Schule geht, begegnet Dir früher oder später der Begriff LehrplanPLUS.
Und vielleicht hast Du Dich schon gefragt:
Was bedeutet das konkret für mein Kind – Tag für Tag im Unterricht?
Dieser Artikel gibt Dir einen echten Einblick. Nicht nur oberflächlich, sondern so, dass Du wirklich verstehst:
- was Dein Kind lernt
- wie es lernt
- und warum genau so
Was hinter dem LehrplanPLUS wirklich steckt
Der LehrplanPLUS ist kein klassischer „Stoffplan“. Du findest darin also eher keine Aufgaben, die Dein Kind können soll.
Er basiert auf dem zentralen Gedanken:
Dein Kind soll Kompetenzen entwickeln – nicht nur Wissen speichern.
Eine Kompetenz bedeutet:
- Wissen anwenden können
- Zusammenhänge verstehen
- Probleme selbstständig lösen
Das Ziel ist also nicht: „Ich lerne alles auswendig“, sondern: „Ich kann damit etwas anfangen, ich weiß, was ich mit dem Gelernten machen kann.“
Wie der LehrplanPlus aufgebaut ist
Der Lehrplan ist klar strukturiert und hat die folgenden Abschnitte:
- Leitlinien
- Bildungs- und Erziehungsauftrag
- Übergreifende Ziele
- Fachprofile
- Jahrgangsstufenprofile (Grundlegende Kompetenzen)
- Fachlehrpläne
Das Entscheidende: Alles baut aufeinander auf, bzw. greift ineinander über. Nichts steht für sich allein.
Die Leitlinien: Was Schule Deinem Kind mitgeben soll
Hier geht es um das große Ganze.
Dein Kind soll:
- selbstständig denken lernen
- Verantwortung übernehmen
- Werte entwickeln
- lernen, mit anderen zusammenzuarbeiten
Schule ist also nicht nur fürs Lernen da – sondern auch für die Persönlichkeitsentwicklung Deines Kindes.
Der Bildungs- und Erziehungsauftrag: Mehr als Unterricht
Die Grundschule hat in Bayern einen klaren Auftrag: Dein Kind soll ganzheitlich wachsen.
Das bedeutet:
- kognitive Entwicklung (Denken, Lernen)
- soziale Entwicklung (Miteinander)
- emotionale Entwicklung (Selbstvertrauen)
Und dabei wird Lernen immer mit Erziehung verbunden.
Übergreifende Ziele: Was in jedem Fach mitläuft
Unabhängig vom Fach lernt Dein Kind immer auch:
- Selbstständigkeit
- Teamfähigkeit
- Kommunikation
- Medienkompetenz
- Alltagskompetenzen
Das heißt, auch im Matheunterricht lernt Dein Kind zum Beispiel Probleme zu lösen, strukturiert zu denken oder Ergebnisse zu erklären.
Die Stundentafel: Wie viel Dein Kind wirklich lernt

Klassen 1 und 2
24 Stunden pro Woche
davon 19 Stunden bzw. 18 Stunden „Grundlegender Unterricht“ (Deutsch, Mathe, HSU, Kunst, Musik, Werken und Gestalten kombiniert)
Das bedeutet keine strikte Trennung – sondern vernetztes Lernen. Neu ab dem Jahr 2025 ist allerdings, dass verbindliche Stunden für die Fächer Deutsch und Mathematik vorgegeben werden. Bislang war es so, dass die Lehrkraft entscheiden konnte wie sie die Stunden innerhalb des „Grundlegenden Unterrichts“ verteilt. Ab jetzt muss für Deutsch und Mathe die Stundenanzahl eingehalten werden. In Klasse 1 sind 6 Stunden Deutsch und 5 Stunden Mathe vorgesehen. In Klasse 2 sind 6 Stunden Deutsch und 4 Stunden Mathe vorgesehen.
Klassen 3 und 4
Hier wird stärker in Fächer aufgeteilt. Die Wochenstunden sind:
- Deutsch: 7 Stunden
- Mathematik: 5-6 Stunden
- HSU: 3-4 Stunden
- dazu: Sport, Kunst, Musik, Religion/Ethik, Englisch, Werken und Gestalten
Zusätzlich: Flexible Stunde in Klasse 1 bis 4
- für Förderung
- für Wiederholung
- für individuelles Lernen
Die Flexible Stunde ist das, was der Name schon sagt. Eine Stunde pro Woche kann die Schule individuell entscheiden wofür diese Stunde verwendet wird. Ob für Sport, Musik oder wenn eine Klasse Schwierigkeiten in Mathe hat, das darf die Klassenlehrkraft oder die Schule entscheiden wofür diese Stunde verwendet wird.
Jahrgangsstufenprofile: Was Dein Kind am Ende können soll
Ein wichtiger Punkt, den viele Mütter nicht kennen: Kompetenzen werden immer über 2 Jahre hinweg aufgebaut. Das heißt:
- Klasse 1 + 2 = gemeinsames Zielniveau
- Klasse 3 + 4 = nächstes Zielniveau
Dein Kind muss also nicht sofort alles können – es entwickelt sich Schritt für Schritt. Deshalb ist es nicht so schlimm, wenn es zum Beispiel am Anfang von Klasse 3 ein Thema noch nicht gleich beherrscht. Es hat Zeit bis zum Ende von Klasse 4, wo dann final die Kompetenz und das Fachwissen beherrscht werden sollte.
Die Fachlehrpläne – jetzt wird es konkret
Hier geht es jetzt um die Themen und Aufgaben, die Dein Kind in der Grundschule bewältigen muss. In den Fachlehrplänen ist genau festgelegt, Was Dein Kind wirklich lernt.
Der Fachlehrplan Deutsch
Deutsch ist das zentrale Fach und wurde in der Stundenzahl nochmals erhöht, weil es so wichtig ist, dass die Kinder von klein auf richtig sprechen, lesen und schreiben können.
Vier Lernbereiche: Der Fachlehrplan Deutsch untergliedert sich in die vier Lernbereiche
- Sprechen und Zuhören
- Lesen
- Schreiben
- Sprache untersuchen
Was dabei wichtig ist: Diese Bereiche werden nicht getrennt unterrichtet, sondern greifen ständig ineinander. Wenn Dein Kind zum Beispiel eine Geschichte schreibt, dann:
- denkt es über Sprache nach
- nutzt es sein Leseverständnis
- formuliert eigene Gedanken
- und spricht vielleicht darüber
Lernen passiert also immer vernetzt.
Lesen: Der Schlüssel zum Lernen
Ein großer Schwerpunkt liegt auf dem Lesen. Aber nicht nur im Sinne von „flüssig lesen können“.
Dein Kind lernt:
- Inhalte zu verstehen
- zwischen den Zeilen zu lesen
- wichtige Informationen zu erkennen
- Texte zu hinterfragen
Ziel ist es, dass Dein Kind wirklich versteht, was es liest. Das ist eine der wichtigsten Grundlagen für den späteren Schulerfolg.
Schreiben: Eigene Gedanken ausdrücken
Dein Kind lernt:
- eigene Texte zu verfassen (z. B. Geschichten, Berichte)
- Texte zu planen und zu strukturieren
- Texte zu überarbeiten
- Rückmeldungen anzunehmen und zu geben
Sprache untersuchen
Dieser Bereich hört sich so einfach an. Aber genau dieser Bereich ist es, der für viele Kinder am schwierigsten ist. Denn hier wird Grammatik gelernt.
Zum Beispiel:
- Wie sind Wörter aufgebaut?
- Adjektive, Artikel, Pronomen, Wortfamilien und so vieles mehr
- Welche Wirkung haben bestimmte Formulierungen?
Dadurch entwickelt Dein Kind ein bewusstes Sprachgefühl. Und genau das hilft später enorm – auch bei der Rechtschreibung.
Kompetenzen in Klasse 1/2
Dein Kind lernt zum Beispiel
- eigene Texte zu schreiben (z. B. über Lieblingsthemen)
- Texte zu überarbeiten
- Feedback zu geben
- Rechtschreibstrategien anzuwenden
- Sprache bewusst zu nutzen
In diesen Klassenstufen lernt Dein Kind nicht nur „richtig schreiben“, sondern: über Sprache nachzudenken.
Entwicklung bis Klasse 4
Am Ende der Grundschule kann Dein Kind:
- Texte verstehen und bewerten
- eigene Texte strukturieren
- bewusst formulieren
- Informationen herausfiltern
Das Ziel in den beiden Klassenstufen 3 und 4 ist sprachlich sicher und selbstständig zu werden.
Der Fachlehrplan Mathematik
Auch Mathematik ist die Basis (neben Deutsch) im Lehrplan der Grundschule in Bayern. In Mathematik und Deutsch sollen die Fähigkeiten der Kinder in der Grundschule gefestigt werden, weil dies grundlegende Kenntnisse sind, die „sitzen“ sollen, damit die Kinder in der späteren Schullaufbahn darauf aufbauen können.
Die vier Lernbereiche des Fachlehrplan Mathematik:
- Zahlen und Operationen
- Raum und Form
- Größen und Messen
- Daten und Zufall
Zahlen und Operationen: Wirklich verstehen, was Zahlen bedeuten
Das ist der größte Bereich – und hier passiert sehr viel mehr als nur Rechnen. Dein Kind lernt:
- Zahlen zu zerlegen (z. B. 7 = 5 + 2)
- Beziehungen zwischen Zahlen zu erkennen
- verschiedene Rechenwege zu nutzen
Zum Beispiel: Dein Kind soll nicht nur wissen „8 + 7 = 15“
Sondern auch verstehen: „Ich kann 7 in 2 und 5 zerlegen, dann rechne ich 8 + 2 = 10 und + 5 = 15“
Das nennt man flexibles Rechnen
Raum und Form: Mathe zum Anfassen
Hier geht es um:
- Formen
- Körper
- Lagebeziehungen
Dein Kind lernt:
- Formen zu erkennen und zu beschreiben
- sich im Raum zu orientieren
- geometrische Zusammenhänge zu verstehen
Das passiert oft ganz praktisch mit Bauklötzen, durch Zeichnen und durch eigenes Ausprobieren.
Größen und Messen: Mathematik im Alltag
Dieser Bereich verbindet Mathe mit dem echten Leben. Dein Kind lernt:
- Längen zu messen
- Zeit zu verstehen
- mit Geld umzugehen
- Gewichte einzuschätzen
Das Ziel ist: Mathematik wird lebensnah und verständlich.
Daten und Zufall: Erste Schritte ins logische Denken
Schon in der Grundschule begegnet Dein Kind einfachen Formen von Statistik. Zum Beispiel:
- Tabellen lesen
- Diagramme verstehen
- einfache Wahrscheinlichkeiten einschätzen
Das stärkt sein analytisches Denken und sein Verständnis für Zusammenhänge
Klasse 1 und 2: Der wichtigste Aufbau
Die ersten beiden Schuljahre sind entscheidend. Denn hier wird das Fundament gelegt.
Dein Kind lernt:
- Zahlenräume (z. B. bis 20, später bis 100)
- erste Rechenoperationen
- grundlegende Strategien
Ganz wichtig: es geht hier darum ein sicheres Verständnis aufzubauen.
Klasse 3 und 4: Vertiefung und Selbstständigkeit
In den höheren Klassen wird das Wissen erweitert. Dein Kind:
- rechnet im größeren Zahlenraum
- löst komplexere Aufgaben
- erklärt eigene Lösungswege
Ein wichtiger Punkt: Dein Kind soll seine Gedanken sprachlich ausdrücken können. Denn, wer erklären kann, hat verstanden.
Heimat- und Sachunterricht (HSU)
Dieses Fach ist unglaublich vielfältig und in Bayern in der Grundschule auch richtig schwer. Die Kinder müssen hier bereits ordentlich lernen, um eine gute Note zu bekommen.
Lernbereiche
- Demokratie und Gesellschaft
- Körper und Gesundheit
- Natur und Umwelt
- Zeit und Wandel
- Technik und Kultur
Konkrete Inhalte (z. B. Klasse 3/4)
Dein Kind lernt:
- wie der Körper funktioniert
- was in der Pubertät passiert
- Erste Hilfe
- Umweltzusammenhänge
- gesellschaftliche Regeln
Es geht darum: die Welt zu verstehen – nicht nur Fakten zu kennen
Fachprofile: Wie die Fächer wirklich gedacht sind
Die sogenannten Fachprofile sind ein Teil des Lehrplans, in dem NICHT festgelegt WAS gelernt wird, SONDERN WIE ein Fach verstanden werden soll.
Man könnte auch sagen die Fachprofile zeigen den „inneren Gedanken“ hinter dem Unterricht.
Beispiel Deutsch: Alles hängt zusammen
Im Fach Deutsch wird ganz bewusst darauf verzichtet, einzelne Bereiche streng voneinander zu trennen. Das bedeutet:
- Lesen, Schreiben, Sprechen und Zuhören stehen nicht nebeneinander
- sondern greifen ständig ineinander
Wenn Dein Kind zum Beispiel eine Geschichte liest, passiert gleichzeitig ganz viel:
- Es versteht Inhalte (Lesen)
- Es spricht darüber (Sprechen und Zuhören)
- Es schreibt vielleicht selbst etwas dazu (Schreiben)
- Es denkt über Sprache nach (Sprachbewusstsein)
Lernen passiert also nicht in den einzelnen Lernbereichen, sondern als Ganzes.
Dieses Prinzip gilt für alle Fächer
Auch in Mathematik, im Sachunterricht oder in kreativen Fächern zeigt sich dieses Prinzip: Lernen ist immer vernetzt.
Das bedeutet konkret:
- Mathematik wird mit Sprache verbunden (Erklären von Rechenwegen)
- Sachunterricht verbindet Wissen mit eigenen Erfahrungen
- Kreative Fächer fördern gleichzeitig Denken und Ausdruck
Dein Kind lernt nicht isoliert – sondern in Zusammenhängen. Und genau das hilft ihm später:
- Inhalte besser zu verstehen
- Wissen länger zu behalten
- selbstständig zu denken
Aktuelle Entwicklung: Mehr Fokus auf die Grundlagen
Ein wichtiger Punkt, der sich aktuell im bayerischen Bildungssystem zeigt: die Grundlagen rücken noch stärker in den Mittelpunkt. Das betrifft vor allem die Fächer:
- Deutsch
- Mathematik
Der Hintergrund sind unter anderem Ergebnisse internationaler Studien, die gezeigt haben, dass viele Kinder Schwierigkeiten haben bei den grundlegenden Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Darauf reagiert Bayern jetzt ganz bewusst.
Was sich konkret verändert
Für Dein Kind bedeutet das:
- mehr Zeit für Lesen und Sprachverständnis
- stärkerer Fokus auf Rechtschreibung
- intensiveres Üben mathematischer Grundlagen
- mehr Wiederholungen zur Festigung
Das Ziel ist klar: Dein Kind soll sicherer werden beim Lesen, Schreiben und Rechnen und diese Grundfähigkeiten sicher beherrschen.
Was Du als Mutter daraus mitnehmen kannst
Vielleicht fragst Du Dich nach all diesen Informationen, was das ganz konkret für Dich und Dein Kind bedeutet.
- Dein Kind muss nicht sofort alles können
- Lernen ist ein Prozess über Jahre
- Verstehen ist wichtiger als Tempo
- Fehler sind ausdrücklich Teil des Lernens
Diese vier Gedanken können Dir helfen, Dein Kind gelassener durch die Grundschulzeit zu begleiten.
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Letzte Aktualisierung am 27.03.2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API
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